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 Aus der Tageszeitung 2009 von Christian Willim

Innsbruck – Mit seinem hageren Körperbau und seinen kurz geschorenen Haaren hat Ossi Stock durchaus etwas von einem buddhistischen Mönch an sich. Doch der Kramsacher ist alles andere als in sich gekehrt. Zumindest wenn er von Shikoku erzählt. Dann sprudelt es aus ihm heraus. Und die Quelle dieser Erzählungen sind die Erlebnisse, die er auf Japans viertgrößter Insel als Pilger gemacht hat.
88 buddhistische Tempel werden dort seit Jahrhunderten durch einen Weg verbunden, der jedes Jahr von einer Million Menschen bereist wird. Ausländer sind auf diesen über 1200 Kilometern bislang noch Exoten. Dass Stock zum Pilgerstab, dem Kongozue, gegriffen hat, ist einem Zufall zu verdanken. „Meine Frau ist Japanerin. Als wir 2001 ihre Familie besuchten, habe ich ein paar Leute in weißen Kleidern in einen Bus einsteigen sehen und wollte wissen, was die machen“, erzählt der 49-Jährige von seiner ersten Begegnung mit den O-Henro, wie die Shikoku-Pilger heißen.
Wenn das die Uroma schafft
„Mein Frau hat mir dann erzählt, dass ihre Uroma die ganze Reise zu Fuß gemacht hat. Da hab ich mir gedacht, das schaffe ich auch. Und zwar in unter 40 Tagen“, fängt der begeisterte Bergläufer Feuer. Allen Bedenken der asiatischen Verwandtschaft zum Trotz nimmt der Unterländer das Projekt in Angriff. „Sie gaben mir zu bedenken, dass ich nicht einmal japanisch kann.“
2002 war es dann soweit. Allein in dem fremden Land, machte sich Stock auf den Weg. Nach 800 Kilometern musste er vorerst aufgeben und gewann trotzdem eine wichtige Erkenntniss: „Pilgern ist mehr als nur in der Gegend herumlaufen.“
Der Tiroler schloss sich einer Gruppe aus alten Leuten an, die die Pilgerreise im Bus absolvierten und kam dem Sinn der Reise noch näher. „Es ist egal, ob man sie mit dem Zug, dem Moped, dem Rad oder zu Fuß macht. Pilgern, heißt unterwegs sein. Nach jedem Tempel, den man besucht hat, beginnt eine neue Reise. Es ist ein ständiges Ankommen und Aufbrechen.“
1200 Kilometer in 34 Tagen
Im kommenden Frühjahr will Stock, diese Faszination auch anderen Menschen vermitteln und organisiert eine Reise nach Shikoku (siehe Infobox). Nicht das erste mal, dass er Tiroler in dieses ferne Land mitnimmt. 2004 hat er mit vier Freunden jene Tempel erwandert, die er bei seinem ersten Versuch nicht zu Fuß erreicht hat. „Ich wollte den Ring schließen“, erklärt Stock seine Wiederkehr 2004.
Doch Shikoku scheint wie ein Magnet auf den Unterländer zu wirken, der seine Anziehungskraft nicht verliert, auch nach dem er die 88 Tempel 2005 mit seiner Familie als Auto-O-Henro besucht, also per Pkw. 2007 reist er erneut ins Land der aufgehenden Sonne. Wieder versucht Stock die mehr als 1200 Kilometer zu Fuß zurückzulegen – und schafft es in unglaublichen 34 Tagen.
Eine Lebensschulung
Doch die Dauer spielt diesmal keine Rolle. „Ich bin einfach meinen Rhythmus gegangen.“ Und das teilweise unter irrsinnigen Schmerzen schildert Ossi. Eine Beinhautentzündung macht die letzten 500 km zur Qual. „Jetzt verstehe ich Menschen besser, die sich unter Einsatz ihrer letzten Reserven die letzten 100 Meter zum Gipfel erkämpfen, erzählt der Kramsacher.
Das Pilgern, das Stock scheinbar wie ein Virus erfasst hat, ist für ihn nicht nur deshalb eine Lebensschule. „Man konzentriert sich auf das Wichtigste: Essen, Trinken, einen sicheren Schlafplatz finden und wie geht es am nächsten Morgen weiter.“ Eine Erfahrung, die dem Geist Ruhe bringt. Ruhe, die in der hektischen Zeit von heute gar nicht mehr so leicht zu finden ist. Ruhe, zu der Stock mittlerweile auch im Alltag jederzeit zurückfindet. „Die Tür zu meiner Reise kann ich immer wieder aufstoßen“, erklärt er es bildlich.
Dass die Bilder von Shikoku immer so präsent sind, ist ebenfalls ein Ergebnis des Gehens. Durch die Langsamkeit bleibt alles viel besser hängen. Man kann mit dem Land leichter „eins werden.“
Hilfe von Einheimischen
So schwer sich der Europäer darin auch als Sprach- und Schriftunkundiger zurechtgefunden hat, an mangelnder Hilfsbereitschaft der Einheimischen lag es nicht. Diese unterstützen O-Henros indem sie Übernachtungsmöglichkeiten, etwas zu Essen oder sogar Geld geben. „Durch diese Pilgergeschenke wollen sie dazu beitragen, dass man durchkommt und selbst Teil des gläubigen Werks werden.“
Stock ist gläubiger Christ. Dass er in Shikoku auf einem buddhistischen Pilgerweg unterwegs ist, stellt für ihn jedoch kein Problem dar. „Die Erfahrungen mögen jener gleichen die Pilger auf dem Jakobsweg sammeln.
Auch ein Naturerlebnis
Warum es ihn immer wieder nach Shikoku zieht? „Ich will wieder mit allen Sinnen die Insel spüren und diese Sehnsucht befriedigen.“ Eine Sehnsucht, die auch in der Schönheit dieses Weges begründet ist. Denn der führt teilweise tief in die Berge, aber auch fast endlos entlang der Küste, lässt religiöse Erfahrungen und Naturerleben verschmelzen.

Krone Zeitungsbericht von der Redakteurin Claudia Thurner 

TT- Bericht vom Mag. Christian Willim